Unterwegs für Ihre Pflege


Ein ganz normaler Mittwochnachmittag in einer Diakoniestation. Die Sonne scheint durch die hohen Bäume an der Kirche, nebenan macht sich eine Pflegekraft der Diakoniestation auf den Weg zu ihrer Mittagsrunde.

Rein in ihr weiß-blaues Auto, von denen mehr als 80 tagtäglich durch den Kreis Herford fahren. Immer auf dem Weg zu einem weiteren Hausbesuch, um zu helfen, zu pflegen; bei Alltäglichem, aber auch in außergewöhnlichen Situationen da zu sein und zur Seite zu stehen. Es braucht weder Landkarte noch Navigationssystem, um die Menschen zu finden, die regelmäßig betreut werden. Die Adressen sind bekannt, manch ein Pflegebedürftiger wird schon über Jahre besucht. Und das nicht von ständig wechselnden Mitarbeitenden. So muss er sich nicht immer wieder neu einstellen auf ungewohnte Gesichter. „Es sind meist zwei bis drei Mitarbeitende, die sich bei den Hausbesuchen abwechseln. Wir tauschen uns dann untereinander aus, vertreten uns gegenseitig, wenn jemand Urlaub hat“, erzählt die Pflegekraft auf dem Weg zum ersten Pflegebedürftigen. Dieser ist eigentlich einer, der gut versorgt ist. Dessen Ehefrau sich beibringen ließ, wie die für ihren Mann täglich notwendigen Spritzen zu geben sind. „Wir haben aber weiterhin ein wachsames Auge darauf, weil das notwendig und gleichzeitig gewünscht ist“, sagt die Mitarbeiterin der Diakoniestation. Sie trägt ihren Besuch in den elektronischen Handcomputer ein, den sie immer mit sich führt. Darin ist dokumentiert, was auch in der Pflegemappe niedergeschrieben steht, die leicht und schnell zugänglich in der Wohnung bereit liegt. Hier findet sich wieder, welche Medikamente gegeben wurden und welche Besonderheiten bei der Pflege aufgetreten sind.
 

tl_files/diakonie_files/images/content/reportage/reportage_02.jpgUm die Medikamentengabe geht es auch beim nächsten Besuch. Eine rüstige Frau öffnet die Tür und nutzt den Weg von der Haustür hin zum Wohnzimmer für einen kleinen Plausch. Eine lieb gewonnene Abwechslung im oft ewig gleichen Rhythmus des Alltags. Dann fragt die Mitarbeiterin der Diakoniestation zuerst nach dem Befinden, bevor sie mit mitgebrachtem Schlüssel die Medikamentenbox auf dem Wohnzimmertisch öffnet. Die Medikamente sind genau nach Plan sortiert. Das richtige Einsortieren der Medikamente und die selbstständige richtige Einnahme ist etwas, das ältere Menschen überfordern und damit ihre Gesundheit gefährden kann. Also übernimmt die Mitarbeiterin der Diakoniestation die Medikamentengabe und wacht darüber, dass die richtigen Tabletten zur richtigen Zeit eingenommen werden. Ein Glas Wasser zum Trinken, ein paar nette Worte noch, dann geht es weiter durch eine Gemeinde, in der in vielen Straßen ältere Menschen auf die weiß-blauen Fahrzeuge warten. Nicht nur tagsüber, sondern auch abends oder in der Nacht. Ein Hausnotrufsystem gibt hier die notwendige Sicherheit. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir sofort zu jedem Hausnotruf fahren. Ganz gleich, welche Uhrzeit der Wecker zeigt“, erzählt die Pflegekraft.
 

tl_files/diakonie_files/images/content/reportage/reportage_03.jpgAber es gibt auch die Einsätze, die sich plötzlich dramatisch verändern. Einige ihrer Kolleginnen haben erlebt, dass sie gerade noch zur rechten Zeit kamen, als Erste halfen und weitere Hilfe rufen konnten. Und so sorgen sie dafür, dass der Spruch mit der „Pflege rund um die Uhr“ keine leere Worthülse, sondern eben gelebte Wirklichkeit ist. Jeden Tag und jede Nacht, 365 Mal im Jahr. Es gibt auch die Momente in der Arbeit der Mitarbeitenden der Diakoniestation, in denen es nicht mehr um Pflege, nicht mehr um die tägliche Körperhygiene, Rasieren oder das Verabreichen von Medikamenten geht. Wenn ein Menschenleben zu Ende geht, dann stehen sie selbstverständlich auch den Familien zur Seite, haben sich vorher Platz und Zeit geschaffen im täglich festgelegten Ablaufplan. Wenn absehbar ist, dass ein Lebensweg zu Ende geht, dann zählt keine Uhr. „Dann sind wir da, stehen zur Seite, begleiten, reden, schweigen gemeinsam“, sagt die erfahrene Pflegekraft. Sterben gehört zum Leben, dem muss man begegnen. Und ist es vorstellbar, dass man an diesem Punkt allein gelassen wird? „Nein, ganz sicher nicht.“ Auch das also eine Aufgabe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakoniestation. Eine Aufgabe, die mitnimmt. Und eine, die wichtig ist.

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